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Chronik

„Künstler in der List – offenes Atelier“, so hieß es zu Beginn, war eine Initiative des Malers und Bildhauers Torsten Paul. „Ziel ist es bis heute, im Stadtteil Hannover List, ein Forum zu schaffen, in dem es zu einem Austausch zwischen Kunstinteressierten und KünstlerInnen kommen kann“, schrieb Wilhelm Beuermann 2004 in der Broschüre die, mit der Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Hannover und dem Kulturamt der Stadt, für die Aktion herausgegeben werden konnte. Christof Rust (Malerei, Lichtskulpturen) ,Walter Mass (Malerei), Eva-Maria Stockmann (Malerei, Zeichnungen), Helene Janke (Malerei), János Nádasdy ( Zeichnungen, Druckgrafik, Aktionen), Wilhelm Beuermann, (Malerei) und Jochen Krüßmann (Malerei), - der gleich zu Beginn, an der Projektorganisation seinen großen Anteil hatte -, waren die Teilnehmer der ersten Stunde. Gleich in den ersten Jahren gab es eine Fluktuation unter den Teilnehmern, entweder wegen Ortswechsel oder wegen Meinungsverschiedenheiten in der Organisation.

Das Besondere an dieser Veranstaltung, die Kunst nicht im neutralen Raum zu erleben, aber auch die Auseinandersetzungen mit den Besuchern, hat sich in den folgenden Jahren, gleichermaßen für Besucher wie für Künstler; besonders attraktiv erwiesen. Bald haben sich weite KollegInnen wie, Gerhard Bogatzki (Malerei), Leiv Warren Donnan (Malerei, Druckrafik), Ute Raab (Malerei), Paolino Piccolo (Objekte), Gerhard Lücke (Malerei), Kristina Breitenbach (Malerei, Objekte), Christophe Carbenay (Druckgrafik), Ursula Hänel (Malerei), JoHannes Lühn (Malerei), Franz Betz (Plastik, Lichtobjekte), Anna Eisermann (Malerei), Michaela Hanemann (Malerei, Zeichnungen), Guido Kratz (skulpturale Keramik), Francesco Lamazza (Malerei), Sascha Windolph (Objekte), Welf Schiefer (Druckgrafik), Wiebke Otte (Illustrative Zeichnungen), Dietlind Preiß (kinetische Lichtobjekte), Wilfried Ohrenberg (Drahtskulptur , Radierungen), Michael Scheller (freie und angewandte Grafik), R.F. Myller (Malerei), so wie Holle Voss (Druckgrafik, Malerei); und Kelyne Reis (Malerei, Objekte, Installationen), dem Projekt angeschlossen. Diese lange Liste der Beteiligten ist nicht nur wegen der Vollständigkeit aufgeführt, sondern sie zeigt auch, wie viele KünstlerInnen in dem verhältnismäßig engbegrenzten Raum dieses Stadtteils leben und ihre Werkstätte haben. Stefan Schostok, damals Oberbürgermeister der Stadt, der die Veranstaltungen regelmäßig besuchte, formulierte das so, „Der Stadtteil List hat in den vergangenen Jahren 57 erheblich an Lebensqualität und Ausstrahlung gewonnen. Dazu haben nicht zuletzt auch die Lister Künstler beigetragen“.

Die Umsetzung war in den folgenden Jahren auch nicht immer einfach, da KünstlerInnen in ihrem Verständnis und ihrer Arbeitsweise oftmals sehr unterschiedlich sind. „Aber der direkte Kontakt zu Kunst und Künstler an ihrem Entstehung - oder Ursprungsort, ist schlicht und einfach das authentische Erleben“ , schrieb die Kunsthistorikerin Esther Orant in Ihrer Rede zur Eröffnungsausstellung,die im Atelier der Fotokünstlerin Freia Hagen in der Kollenrodtstraße , zu den Atelierrundgängen regelmäßig veranstaltet wurden. So, wie das im Zitat steht, scheint es glaubwürdig zu sein und es könnte der Schlüssel zum Erfolg sein, wie das die KünstlerInnen in der List in ihren offenen Ateliers, in all den Jahren auch erlebt haben. Es macht Mut weiterzumachen.

János Nádasdy

Kunst und Künstler an ihrem Entstehungs- oder Ursprungsort

Das Besondere an dieser Veranstaltung ist nicht nur, dass für jeden etwas dabei ist, sondern dass sie Ihnen die Möglichkeit bietet, die Kunst nicht im neutralen bis mitunter klinischen „White Cube“ des Museums oder der Galerie zu erleben, sondern Sie lernen Kunst und Künstler sozusagen in ihrem natürlichen Habitat kennen. Denn im Vergleich zu einem Museumsbesuch gleicht der Atelierrundgang einer Safari oder einem Naturspaziergang. Das Museum hingegen erscheint mitunter wie ein Zoo. In einer künstlichen Inszenierung werden wir auf dem neuesten Stand der Wissenschaft über die Besonderheiten und Eigenarten der ausgestellten Exemplare aufgeklärt und belehrt. Geordnet und sortiert werden uns Zusammenhänge und Einflüsse erklärt. HIER herrscht im positiven Sinne Wildwuchs und Durcheinander.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gehe gerne mal in den Zoo und noch viel lieber ins Museum. Das ist lehrreich, informativ, unterhaltsam, oft die einzige Möglichkeit bestimmte Tierarten zu erleben. Aber der direkte Kontakt zu Kunst und Künstler an ihrem Entstehungs- oder Ursprungsort, bevor das Werk durch die wissenschaftliche Mangel gedreht, analysiert, definiert und bewertet worden ist, das ist schlicht und einfach da authentischere Erlebnis. Und dabei wünsche ich Ihnen und den Künstlern viel Spaß, spannende Gespräche und interessante, neue Erkenntnisse.

Esther Orant
Kunsthistorikerin

Grußwort zum 20 jährigen Jubiläum

Die Gemeinschaft der Lister Künstler*innen versammelt verschiedene Generationen von Künstler*innen, die mit zum Teil sehr unterschiedlichen Medien arbeiten. Im Grunde spiegelt sich hier die ganze Bandbreite der Hannoverschen Szene wieder. Es finden sich sehr renommierte Positionen wie der Maler und Grafiker Leiv Warren Donnan. Das Werk von János Nádasdy ist jenseits medialer oder formaler Entscheidungen von engagierten, politischen und sozialen Fragestellungen geprägt. Der Maler R.F. Myller oder Guido Kratz, der vor allem für seine Keramik bekannt ist, aber auch mit Fotografie und Malerei arbeitet, sind später zur Gruppe gestoßen. Auch jüngere Positionen gehören der Gemeinschaft an, wie Michaela Hanemann, die 2008 ihr Studium der Freien Kunst in Hannover abschloss und 2009 zu den Lister Künstler*innen stieß. Andere sind seit Beginn dabei, wie die Zeichnerin und Malerin Eva-Maria Stockmann, die ihre präzis formilierten naturalistischen Darstellungen mit surrealistischen Elementen erweitert. Der Maler JoHannes Lühn ist seit 2004 dabei. Er regelt auch die finanzielle Angelegenheiten der Gemeinschaft. Der Maler Francesco Lamazza ist seit 2010 dabei, wie auch Dietlinde Preiß mit ihren skurilen, kinetisch-akustischen Lichtobjekten. Malerin Holle Voss, die in der List eine Werkstatt für experimentelle Serigrafie betreibt, bereichert seit 2016 die Gemeinschaft. Die Malerin Kelyne Reis, die zuvor in Brasilien und den USA gearbeitet hat, ist erst 2018 dazu gekommen. Andere haben die Gemeinschaft im Laufe der Jahre verlassen, denn natürlich ist die Zusammenarbeit von Künstler*innen etwas, dass sich ständig verändert. Eigene Schwerpunkte verschieben sich, Interessen werden neu ausgerichtet. Liest man die Biographien der hier versammelten Künstler*innen, so fällt auf, dass sehr viele von ihnen auch in anderen Künstler*innen - Gruppen, Initiativen und - Gemeinschaften aktiv sind. Wilfried Ohrenberg beispielsweise ist seit 2003 Mitglied im Bildarium, einer Ateliergemeinschaft, die einen Ausstellungsraum in der List betrieben hatte. Gerade für Bildende Künstler*innen, die ja viele Fragen zumeist mit sich und ihrem Werk alleine verhandeln, ist die Selbstorganisation in Gemeinschaften wie dieser eine wichtige Hilfe, um im Austausch zu bleiben und wenn es um die Präsentation der Kunst und die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit geht. Und so danke ich, stellvertretend für das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, für das große Engagement all jener Künstler*innen, die sich für die Gemeinschaft der Lister Künstler*innen eingesetzt haben und die seit 20 Jahren den Atelierrundgang organisieren. Gratulation zum Jubiläum!

Anne Prenzler
Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover

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